„Wir sind schwanger!“ – Was das für die Zahnarztpraxis bedeutet und wie man das Beste daraus macht.

Auf der IDS – der Internationalen Dentalschau – hatte ich eine sehr angenehme Begegnung mit Rechtsanwältin Melanie Neumann, deren Themen regelmäßig den Weg in den „ZwischenRaum“ finden (siehe Artikel unten). Wir haben uns bei dieser Gelegenheit mal wieder über das allgegenwärtige Praxis-Thema „Personal finden / Personal binden“ unterhalten.

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Vor allem die – selten mit der Praxisleitung durchgeplanten – Schwangerschaften der Mitarbeiterinnen reißen vielfach nicht nur menschliche Lücken in den Praxisalltag. Auch wirtschaftlich sind die temporären oder dauerhaften Ausfälle in der Regel nachteilig. Hier gilt es, Wege zu finden, die eine möglichst enge Bindung der werdenden Mutter an die Praxis ermöglichen, wenn das Beschäftigungsverbot greift. Die Mitarbeiterin sollte den Kontakt zur Praxis nicht verlieren und Praxis-InhaberInnen erhalten für die laufenden Gehaltszahlungen entsprechende Gegenleistungen. Wo können Mitarbeiterinnen sinnvoll in den Praxisbetrieb integriert werden / bleiben? Hier einige Aufgaben, die zum Teil auch für die Zeit nach der Geburt im „Home-Office“ durchgeführt werden können:

QM

Viele Aufgaben im Qualitätsmanagement können außerhalb der Praxis durchgeführt werden, wenn das QM-System eine Onlinebearbeitung zulässt!

Empfang / Rezeption

Gerade die Prophylaxeassistentinnen, die eine hohen Patientenbindung haben, können hier weiter als Gesicht und Stimme für die Praxis eingesetzt werden!

Patientenberatung

Wenn Qualifikation und Wissen stimmen, sind Beratungstätigkeiten (auch außerhalb der Praxis) – vor allem in der Prophylaxe und der Implantologie – ein sehr sinnvolles Betätigungsfeld!

Kommunikation

Entsprechend geschulte Mitarbeiterinnen können sich beispielsweise um Themenrecherchen kümmern. Die Betreuung und Beobachtung der Facebookseite kommt ebenso in Frage, wie Absprachen und Kontakte zu Verlagen und Redaktionen – hier biete ich gerne entsprechende Workshops für die Praxis an!


Was es sonst noch alles zu beachten gibt, wenn der dentale Klapperstorch zuschlägt, hat Melanie für euch zusammengefasst.


„Wir sind schwanger!“ – Was das für die Zahnarztpraxis bedeutet und wie man das Beste daraus macht.

Melanie Neumann, Rechtsanwältin

Egal, ob Praxisinhaberin, angestellte Zahnärztin oder angestelltes nichtärztliches Personal – eine Schwangerschaft ist nicht immer für alle Grund zur ungetrübten Freude. Zunächst bedeutet diese gewaltige Einschnitte und die Notwendigkeit von Umstrukturierung in der Praxis. Mit Kenntnis der Schwangerschaft einer Angestellten muss diese durch den Arbeitgeber / die Arbeitgeberin an die zuständige Aufsichtsbehörde gemeldet werden (in der Regel das Gewerbeaufsichtsamt). Damit ist eine Risikobeurteilung des Arbeitsplatzes verbunden, die in der Regel dergestalt ausfällt, dass ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden muss.

Sobald nämlich das Arbeitsgebiet der Angestellten ein Risiko für ihre Gesundheit oder die des ungeborenen Kindes birgt – und dies ist bei der Arbeit am Stuhl fast ausnahmslos der Fall – dürfen diese Tätigkeiten nicht mehr ausgeübt werden. Wenn dann keine Umsetzung in eine nicht belastete Tätigkeit (z.B. Verwaltungstätigkeit, Patientenaufklärung) möglich ist, bedeutet dies einen Totalausfall der betroffenen Angestellten für die Praxis.

Wichtig für Arbeitgeber/innen ist aber zu wissen, dass es günstiger ist, das Beschäftigungsverbot auszusprechen, als dass sich die Arbeitnehmerin krankschreiben lässt. Auch für die Arbeitnehmerin ist es finanziell vorteilhafter. Im Falle des Beschäftigungsverbots erhält die Angestellte das volle Arbeitsentgelt. Dieses wird jedoch über das U2-Umlageverfahren auf Antrag von der Krankenkasse zurückerstattet. Bei einer Krankschreibung in der Schwangerschaft gilt nichts anderes als bei anderen Krankschreibungen auch: zunächst sechs Wochen Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber / die Arbeitgeberin, anschließend erhält die Schwangere nur noch Krankengeld. Für den Fall, dass die Angestellte jedoch aus gesundheitlichen Gründen tatsächlich krank zu schreiben wäre, sollte man keinesfalls tricksen. Wird aus rein finanziellen Gründen statt einer Arbeitsunfähigkeit ein Beschäftigungsverbot attestiert, können sich neben zivilrechtlichen Ansprüchen auch strafrechtliche Konsequenzen nach § 278, bzw. 279 StGB (Ausstellen bzw. Gebrauch unrichtiger Gesundheitszeugnisse) ergeben!

Während der Zeit des echten Mutterschutzes (sechs Wochen vor bis acht Wochen nach der Geburt) erhält die Angestellte Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse. Dieses beträgt pro Tag bis zu 13 Euro. Arbeitgeber/innen müssen hierzu einen Zuschuss leisten und bis zum Nettolohn aufstocken, erhalten jedoch auch diesen Zuschuss vollständig von der Krankenkasse erstattet.

Ist dagegen die Praxisinhaberin schwanger, erhält diese lediglich Mutterschutzgeld, wenn sie mit entsprechendem Anspruch freiwillig gesetzlich versichert ist. Weiterer finanzieller Ausfall ist von ihr allein zu tragen. Wichtig ist dies insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Praxisvertretung, da nicht nur früh genug danach gesucht, sondern auch die Kosten dafür einkalkuliert werden müssen.

Was kann nun aber ein Arbeitgeber / eine Arbeitgeberin einer schwangeren Mitarbeiterin Gutes tun?

Abgesehen davon, dass zum freudigen Anlass eine steuer- und abgabenfreie Aufmerksamkeit bis zu einem Wert von 60,00 Euro verschenkt werden kann, sollte ihr empfohlen werden, möglichst frühzeitig in die Steuerklasse III zu wechseln, sofern sie bislang in Steuerklasse V ist und der Ehepartner Steuerklasse III nutzt. Zunächst wirkt sich der Tausch der Steuerklassen zwar nachteilig auf das monatliche familiäre Nettoeinkommen aus, dies wird jedoch im Rahmen der Jahreseinkommensteuererklärung bereinigt, so dass in der Regel eine größere Steuererstattung winkt. Da aber ab dem Folgemonat die neue Steuerklasse das Nettoeinkommen der Mitarbeiterin erhöht, wird der Elterngeldanspruch höher.

Hat die Mitarbeiterin z.B. ein Bruttogehalt von 2.000,00 Euro, beträgt ihr Nettogehalt bei Steuerklasse V 1.100,00 Euro, bei Steuerklasse III hingegen 1.560,00 Euro. Dies bedeutet letztlich 280,00 Euro Elterngeld pro Monat mehr. Wichtig hierfür ist jedoch ein frühzeitiger Wechsel der Steuerklasse.

Ergänzender Artikel von Melanie: Schwanger in der Zahnarztpraxis!

Weitere interessante Themen bietet der neue Ratgeber von Dentista e.V. und der Bundeszahnärztekammer:

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Dentalmediale Kommunikation im Management von parsmedia, PR- und Social-Media-Management, Praxiscoach, Dipl.-Sportwissenschaftler, Journalist

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4 commenti su “„Wir sind schwanger!“ – Was das für die Zahnarztpraxis bedeutet und wie man das Beste daraus macht.
  1. Hallo Klaus,

    ja, da stimme ich dir voll und ganz zu. Die Mitarbeiterinnen sind die wichtigste Stütze der Chefinnen und Chefs. Ohne gehts nicht.

    Allerdings weiß frau natürlich nie im voraus wie eine Schwangerschaft, die Geburt und die nachfolgenden ersten Lebensmonate des Kindes verlaufen. Daher sollte die Planung dann doch flexibel genug sein und zumindest eine mögliche Vertretung als „Backup“ bereit halten. Risikomanagement, nech? 😉

    Alles Gute,
    Stefanie

  2. Liebe Frau Neumann,

    ein sehr wichtiger Artikel! Dieses Thema ist immer wieder aktuell und gerade in kleinen Praxen mit wenigen Mitarbeiterinnen stürzt eine Schwangerschaft die Organisation oft ins Chaos.

    Da ist es natürlich hilfreich, wenn die Abläufe und die Zuständigkeiten in der Praxis klar geregelt sind und sich eine Schwangerschaftsvertretung schnell einarbeiten kann.

    Ihre Tipps leite ich gerne an meine Kunden weiter.

    Herzliche Grüße
    Stefanie Rückert

    • Klaus sagt:

      Hi Stefanie, das ist auch ein Aspekt, über den sich die eine oder andere Praxis mehr Gedanken machen sollte. Ein gelebtes QM erleichtert die zügige und erfolgreiche Einarbeitung neuer Mitarbeiterinnen. Aber diese zu finden, ist ja heute eine der größten Herausforderungen in der Praxis. Daher ist es vor allem wichtig, gute Mitarbeiterinnen zu halten und ihnen eine Perspektive zu geben -auch mit Kinderwunsch!

      LG
      Klaus

    • Liebe Frau Rückert,

      ein Thema, das uns nicht nur bei Dentista immer wieder auf den Nägeln brennt. Aus den Kursen für Praxismanagement, die ich abhalte, bekomme ich immer wieder Eindrücke geschildert, sowohl die Sicht der Chefs als auch der Mitarbeiterinnen. Gute Kommunikation und Vorbereitung würde so viel vereinfachen, so dass sich das Chaos in Grenzen halten würde. Aber leider haben viel zu viele Mitarbeiterinnen Angst um ihren Job, wenn sie im Vorfeld ankündigen oder auch nur andeuten, dass sie schwanger werden möchten.

      Eine Weiterleitung an Ihre Kunden freut mich sehr. Sie sind nah dran, da lässt man/frau sich vielleicht (hoffentlich 😉 ) mehr sagen als von einer auch noch unbekannten Anwältin…

      Herzliche Grüße
      Melanie Neumann

2 Pings/Trackbacks für "„Wir sind schwanger!“ – Was das für die Zahnarztpraxis bedeutet und wie man das Beste daraus macht."
  1. […] „Wir sind schwanger!“ – Was das für die Zahnarztpraxis bedeutet und wie man das Beste daraus macht. (ARTIKEL LESEN) […]

  2. […] kann, habe ich zusammen mit Klaus Schenkmann im Zahnblog Zwischenraum  erörtert. Der Artikel kann hier nachgelesen […]

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